Seitenende

Inhalt

Home

Expedition des Grauens

Neulich begab es sich das mein Terminkalender mir freundlich zuwinkte, ein seltenes Ereignis aber nicht ungewöhnlich, und so nahm ich mir die Zeit für eine Expedition der besonderen Art, ich wollte Winterurlaub machen, da man bei körperlich so belastender Arbeit wie dem Auf und Ab auf dem Snowboard, abends einen mörderischen Kohldampf hat und sich meine Versuche früherer Exkursionen den Hunger mir mit minderwertiger Kraftnahrung ala Salami und Trockenbrot als gescheitert bis unzumutbar erwiesen hatten, dachte ich beim Wort Winter-urlaub an ein kleines Nachbarland, das als Gebirgsland dem Winter alle Ehre machte und dem Wort Urlaub in sofern entsprach das ich mich für meine paar Kröten auch in besseren Restaurants des Abends meine Gaumen kitzeln lassen konnte, ich fuhr nach Tschechien.
Leider ist zwischen Deutschland und Tschechien mehr zu überwinden als eine Entfernung in Kilometern, es gibt eine Grenze und an eben dieser versammelten sich mit mir ca 500 000 Autos (böse Zungen behaupten es liege am Ferienanfang) und so war ich erst nach 5h Stau über eben diese Grenze hinweg. Ich kam zerschlagen in meinem schneeigen Urlaubsparadies an, das Haus war von außen klein und von innen eiskalt aber letzteres lies sich im laufe der zeit durch Bastelarbeiten an der Heizanlage verbessern, nun ich zitterte mich in den Schlaf.
Am nächsten Tag ging es früh, nachdem ich die Hähne des Nachbarn ob ihres Krakelens erwürgt hatte, auf die Piste. Ich wurde dann langsam gewahr das die 5 000 000 Millionen Autos an der Grenze scheinbar nicht nur CZ als gemeinsames Reiseziel auserkoren hatten, sondern augenscheinlich auch genau den Hügel, den ich unsicher zu machen beabsichtigte , aber der Ostler in mir ist auch Pragmatiker , so stand ich halt brav am Lift an und probierte durch rüpelhaftes verhalten auf der Piste für Auffälle am reichlich vorhandenen Menschenmaterial zu sorgen, damit sich die Pistenlage entschärfen würde.
Am Ende des ersten Tages war einiges geschafft, meine Muskeln und diverse Knochenbrüche anderer eingeschlossen. Abends ging es frohgemut in die "Restauration" meiner Wahl, wo ich von einer Vereinsparty hinterbayrischer Saufbolde und Faschingsfans begrüßt wurde. Also aß ich mein fürstliches Mahl unter dem Gröhlen von 20 halbtrunkenen und trotzdem stocksteif wirkenden Papierhutträgern, die immer mal wieder den Refrain eines der Lieder der mitgebrachten Partydiskohölle kannten und immer dann lächelten wenn der obligatorische " ich mach ein lustiges Vereinsfeiervideo damit die anderen zu Hause sehen das wir Spaß hatten" Typ den Spot mal wieder anwarf.
Naja, ich schlief den schlaf des körperlich geschafften und wachte am nächsten Morgen irgendwie recht spät von einem beständigen tropfen auf. Mein Blick aus dem Fenster bestätigte meine Vermutung, es regnete volle Kanne. Meine Laune sackte in tiefste Kellergewölbe, ich versank in meine Schlafstadt und dachte morgens wird's wieder.
Wurde es aber nicht,da mich der grüne Rasen am Morgen in eine handfeste Depression riß.
Ich lachte laut und irre schnappte mein Board und pilgerte zum Berg meiner Wahl und letzter Hoffnung, um dort schreiend und greinend niederzusinken und meine letzte Erinnerung ist der Versuch mir mit den Kanten des Boards die Pulsadern aufzufetzen...

Ich wachte in einem weißen warmen Raum auf und gegen Ende der Woche war ich auch soweit wieder hergestellt das sie meine Fixierung lösten und mich zurück nach Deutschland abschoben, ich habe noch das mitleidige traurige Lächeln der schönen tschechischen Krankenschwestern vor meinem geistigen Auge, wenn ich aus meinen Fieberträumen und von katatonischen Krämpfen geschüttelt aufwachte.
So bin ich jetzt wieder hier, ihr wißt warum die Grauzone solche Verpätung hat und ich muß noch ne Weile als Brennstab Putzer arbeiten bis ich die Arztkosten und das Board abbezahlt habe, das ich mir natürlich jegliche Kontostände ignorierend frisch zugelegt hatte, aber das ist eine andere Geschichte.

Karsten

Seitenanfang

Inhalt

Home

mail to:grauzone@wb13.de